Bertrand Loreau – Echo Of A Distant Time
 

Bertrand Loreau – Echo Of A Distant Time
Spheric Music (2024)

(6 Stücke, 73:27 Minuten Spielzeit)

Betrand Loreau ist ein französischer Elektronikmusiker, der seit über 40 Jahren elektronische Musik macht. Seine Inspirationsquelle ist dabei die Musik von Klaus Schulze. Kein Wunder also, dass seine Veröffentlichungen sich im Umfeld der „Berliner Schule“ bewegen. Nach seinem letztjährigen Album „Full Moon In Fall“, das bei Töfte Mucke Records erschienen ist (Vertrieb über Spheric Music), kommt sein neuestes Album „Echo Of A Distant Time“ wieder beim deutschen Label Spheric Music heraus.

 

 


Das Album erschien am 19.04.2024 sowohl bei Bandcamp, als auch als auf 222 Exemplare limitierte CD. Mir lag zur Besprechung die CD-Version vor, die in einem vierseitigen Digipak erscheint. Anzumerken ist, dass die Spielzeiten, die der Player anzeigt und die, die auf dem Cover abgedruckt sind, leicht abweichen. Ich beziehe mich auf die vom Player angezeigten Zeiten.

1981 begann Loreau, elektronische Musik mit einem Korg MS20 und dem dazugehörigen Sequenzer zu spielen. Kürzlich hatte er einen miniMS und das SQ1-Modul zu Hause und nahm innerhalb weniger Tage sechs Stücke auf, die auf sehr einfachen analogen Sequenzen basieren und an den Geist erinnern, in dem er vor mehr als 40 Jahren lebte. Diese neuen Stücke sind wie ein Echo einer längst vergangenen Zeit.

Betrand startet gleich mit dem längsten Stück des Albums, dem 21:30minütigen „In The Dark“ in sein neues Album. Elektronische Flötensounds und Klangskulpturen sorgen zu Beginn für eine zunächst mystische Stimmung. Nach nicht ganz anderthalb Minuten startet dann ein Sequenzerrhythmus, der zunächst noch sanft im Hintergrund liegt, während Bertrand noch melodisch die Flötensounds tanzen lässt. Langsam baut sich das Stück auf und der Sequenzer wird dabei immer dominanter und bekommt zusätzlich weitere Klangfarben. Nach gut acht Minuten sind es perlende Klangmotive, die jetzt die Harmonien mit einem leicht jazzigen Unterton bestimmen. Danach variiert Bertrand wieder die Sequenzerrhythmik um die Hörer in einen hypnotischen Strahl hineinzuziehen.

Es folgt das 15:02minütige „Velvet Moon“, das zunächst mit sanften Harmonien beginnt. Schnell kommt aber auch hier ein Sequenzerrhythmus hinzu. Bertrand spielt hier ein wenig mit der Dynamik um dem Track mehr Substanz zu verleihen. Verträumt ziehen so die melodischen Harmonien durch den Raum, begleitet von den sanften Sequenzerrhythmen. Das ist Musik zum entspannen, bei der die Gedanken davon fliegen.

„Up At Dawn“ ist mit 6:13 Minuten Spielzeit das kürzeste Stück. Hier kommt Bertrand auch schnell auf den Punkt, denn eine Melodielinie startet schon gleich in den Track. Perlend wirken diese Harmonien, deren sanfter Sequenzerrhythmus den Geist beruhigt. Ein sehr schöner Track. Leichte Akzente werden in dem Track auch durch eingestreute, sanfte Beckenschläge gesetzt. Ob sie programmiert sind oder eingespielt wurden, ist den Infos allerdings nicht zu entnehmen. Sie wirken jedenfalls organisch.

Dem schließt sich dann das 6:52minütige „Harmonic Romances“ an. Spacige, leicht futuristisch wirkende Sounds leiten in diesen Track. Das wirkt zunächst surreal, bekommt aber nach einer Minute durch einen Sequenzerrhythmus auf den sich dann eine Melodielinie legt, einen anderen Charakter. Zwar wirkt es immer noch spacig, klingt aber auch Soundtrack mäßig. Das ist recht spannend und mystisch zugleich.

Mit dem 17:32minütigen „Sound Of Sand“ ist dann noch ein weiterer Longrack auf dem Album. Flächige Sounds, auf die sich dann perlend/flirrende Klänge legen, führen in diesen Track hinein. Auch dieser Track entwickelt sich langsam und wird durch weitere, teils Mellotron artige Klänge ergänzt. Nach etwas mehr als sechs Minuten kommt ein Sequenzerrhythmus auf, der sanft die Harmonien untermauert. Immer wieder neue Klänge und Melodielinien kommen nach und nach auf und sorgen so für Abwechslung.

Das Album wird mit dem 6:19minütigen „Endless Run“ abgeschlossen. Synthesizerchöre und ein pulsierender Sequenzer bilden die Grundlage für diesen Track, auf den Bertrand Loreau dann seine Harmonien legt.

Bertrand Loreau lädt auf seinem neuen Album „Echo Of A Distant Time“ die Hörer zu einer Zeitreise in die 70’er Jahre der „Berliner Schule“ ein. Stilistisch schließt er dabei an die Musik von Klaus Schulze und Tangerine Dream an.

Stephan Schelle, Juni 2024

 
   

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