Michael Brückner . The Egg In The Cosmic Crack
 

Michael Brückner . The Egg In The Cosmic Crack
Eigenvertrieb / Bandcamp (2026)
(17 Stücke, 151:39
Minuten Spielzeit)

Michael Brückner hat ein weiteres Album in 2026 veröffentlicht, das am 28.08.2026 herausgekommen und als CDR sowie als Download über Bandcamp erhältlich ist. Es trägt den Titel „The Egg In The Cosmic Crack“. Bei dem Titel musste ich sofort an das Buch „The Crack In The Cosmic Egg“ von Steven Freeman & Alan Freeman denken, das eine „Encyclopedia Of Krautrock, Kosmische Musik & Other Progressive, Experimental & Electronic Musics From Germany“ darstellt.

 


Allerdings hat Michael einen ganz anderen Bezug genommen. Hier einige Infos von ihm selbst: Als Michael Brückner im Alter von 21 Jahren begann, sich mit Musik zu beschäftigen, waren dies Erfahrungen, die er machte, als er etwa zur gleichen Zeit mit meditativem Yoga begann. Im Rahmen seines Yoga-Studiums lernte er auch die Schriften des amerikanischen Autors Joseph Chilton Pearce kennen, insbesondere dessen bis heute beliebtestes Buch „The Crack in the Cosmic Egg“. Auch Jahrzehnte später hallen diese frühen Einflüsse noch in Michaels Gedanken nach und prägen Teile seiner Musik und anderer kreativer Aktivitäten.

So schuf er beispielsweise im Jahr 2007 einige Musikstücke als kostenloses Geschenk für die Mitglieder einer Gruppe, die er auf LastFM gegründet hatte (die längst verschwunden ist). Einer dieser Titel hieß „The Egg of Ecquirlo“, und Michael mochte ihn (und mag ihn immer noch) sehr gern und wollte ihn schon immer eines Tages auf einem offiziellen Album verwenden, sobald er in einen passenden Kontext passt. Nun – genau das hat er nun endlich für diese neue Veröffentlichung bei Cyclical Dreams getan.

Das übergreifende Konzept bestand aus Musik, die auf der Idee des Eies als universellem Symbol basierte. Und es gibt noch einen weiteren „einzelnen“, eher obskuren Titel, der noch direkter von Pearces Schriften inspiriert ist und den Titel „Cracked Egg Mystification“ trägt – dieser war ein Beitrag zu einer Compilation des Labels Cerebral Audio mit dem Titel „The Rift: Volume 1“ aus dem Jahr 2016. Und es stellte sich heraus, dass dieses Stück ein passendes Ambient-Pendant zu dem zuvor erwähnten Titel war.

Aber Michael hat diese Tracks natürlich nicht einfach so verwendet, wie sie waren, sondern sie sorgfältig neu abgemischt, teilweise neu arrangiert und remastert und ihnen zudem ein paar neue Details hinzugefügt. Natürlich machen zwei Titel (normalerweise) noch kein Album – also stellte Michael aus einigen ungenutzten Elementen der ursprünglichen Aufnahmesessions von 2007 (sowie wiederum einigen neuen Teilen) einen „Teil 2“ von „The Egg of Ecquirlo“ zusammen – und nahm zudem ein paar neue Titel auf, um die klangliche Reise zu vervollständigen.

Diese enthalten neben den ernsten philosophischen und psychologischen Themen, die sie inspiriert haben, auch etwas von Michaels kindlichem Humor – wenn auch vielleicht in verschlüsselter Form. Ein Beispiel dafür ist das Wort „eye“ in einigen Titeln, das wie das deutsche Wort „Ei“ klingt – was „Eier“ bedeutet. Und natürlich im Albumtitel.

Die CDR-Version besteht aus zwei Discs. Die Stücke sind zwischen 2007 und 2026 entstanden. Es startet mit dem mehr als 22minütigen „The Egg Of Ecquirlo - Part I“. Flirrende Synthesizerklänge wehen zu Beginn des Stückes von links nach rechts und zurück aus den Boxen. Darauf setzt Michael dann Chöre, die majestätisch wirken. Pfeifende Synthesizersounds erwecken den Eindruck, als würde ein Meteor oder etwas ähnliches an einem vorbeirauschen. Dann setzt eine rhythmische Klangfolge ein und basslastige Synthesizertupfer sorgen für eine futuristische Stimmung. So beginnt dieser Longtrack, der sich im Verlauf mehreren Wendungen unterzieht und herrlich groovende Parts besitzt. Ein toller Longtrack, bei man dem gefesselt vor den Boxen ausharrt.

Weiter geht es mit „Coda (A Pure Oval Shape)“, das mit knapp fünf Minute Spielzeit der kürzeste Track des ersten Silberlings ist. Hier geht es gleich mit herrlich perlenden Synthesizerklängen los, die harmonische Klangbilder zeichnen. Dazu lässt Michael die Arpeggios förmlich tanzen.

Danach folgt das mehr als 13minütige „Joseph’s Eye“, das einen hohen Spannungsbogen besitzt. Erzeugt wird dies durch die Sounds. Nach wenigen Momenten setzt aber ein ausdrucksstarker melodischer Rhythmus ein und wird im Verlauf durch Sequenzerrhythmen ergänzt. Sobald sich beides miteinander vermischt wird es fesselnd und hypnotisch. Michael baut das Stück mit einer Melodienlinie und steigender Dynamik weiter aus.

„Cracked Egg Mystification“ bringt es dann auf elf Minuten Spielzeit (hier ist die Angabe im Booklet nicht ganz korrekt). Flächige, spacige Sounds mischen sich in den ersten etwas mehr als drei Minuten mit rauschenden Synthesizern. Dann setzen ruhige flächige Sounds ein, die wiederum sehr spacig wirken. Erst nach gut der Hälfte kommt eine leichte Melodielinie auf, die aber nicht lange anhält. Michael hat in diesem Longtrack eher Stimmungsbilder erzeugt.

Auf zehn Minuten bringt es dann „The Egg Of Ecquirlo - Part II“, das sanft seine spacigen Bahnen durch den Raum zieht und nach mehr als zwei Minuten einen powervollen Rhythmus erhält. Das ändert sich dann im Verlauf zu einem rhythmischen Track der sanfter dahin zieht und ungewöhnliche Klänge hinzumischt. Das hat was außergewöhnliches und fesselndes.

Den Abschluss des ersten Silberlings bildet „The Eye Of Cyclops“. Hier kommen zu Beginn Sprachsamples auf. Ein Stück das über gut 13 Minuten zwischen sanften, hymnischen und rhythmischen Passagen wechselt. Dahinein platziert Michael mehrmals gesprochenen Text und legt darüber hinaus eine Melodielinie darauf. Das wirkt wie eine von Musik untermalte Szenerie aus einem Film.

Der zweite Silberling enthält elf Stücke mit Laufzeiten von 5:25 bis 11:52 Minuten Spielzeit, bei dem das Stück „Synthia“ in sechs Varianten bzw. Parts vorliegt. Perlend zeigt sich das erste Stück „Synthia (Original Version)“. Michael kombiniert hier flächige mit perlenden Klängen.

Darauf folgt dann „Synthia (ReVisited) - Part 1“. Das besitzt zunächst diese perlenden Klänge wie der Originaltrack, doch schnell entwickelt es sich zu einem anderen Track, der nur annähernd an das Original erinnert. Sehr viel hellere Klänge, Harmonien und rhythmische Tupfer machen diese Version aus.

Nahtlos schließt sich „Return Of The Pure Oval Shape“ an. Das neunminütige Stück besitzt zunächst spacige Klangfarben, wird dann aber durch rhythmische Arpeggios in eine andere Dimension katapultiert, die sehr harmonisch daherkommt. Der Track ist eine langsamere und längere Variante von „Coda (A Pure Oval Shape)“ des ersten Silberlings.

Dann kommt „Synthia (ReVisited) - Part 2“. Das Stück baut stimmungsmäßig und klanglich auf dem ersten Part auf und entwickelt ihn weiter. Hier hat Michael einen toll groovenden Rhythmus eingebaut.

„The Green Land“ ist mit fast zwölf Minuten der längste Track dieses Silberlings. Auch hier arbeitet Michael mit perlenden Synthesizerklängen. Das passt stimmungsmäßig zu den Parts von „Synthia (ReVisited)“.

Mit „Synthia (ReVisited) - Part 3“ führt Michael dann das Stück weiter und baut einige Sprachsamples mit ein. Auch wieder ein herrlich rhythmischer Track.

Sanfte Harmonien starten in das achteinhalbminütige „A Hush At Sunset“. Klangtupfer mutieren langsam zu einer Art Melodielinie, die von rhythmischen Sequenzerklängen ergänzt bzw. abgelöst wird. Es entwickelt sich ein harmonischer, Sequenzer orientierter Track.

„Synthia (ReVisited) - Part 4“ bietet dann weitere Variationen des Themas. Die perlenden Klänge kommen immer wieder auf und bilden das gemeinsame Muster, während eine weitere Melodielinie von Michael gespielt wird.

Danach schwebt „Pentalonicum“ mit seinen herrlichen Flächen und den perlenden Klängen förmlich durch den Raum.

Auch der letzte Part „Synthia (ReVisited) - Part 5“ baut auf den anderen Teilen auf und hat einige Klänge, die man von den anderen Parts her kennt. Hier geht Michael aber sehr viel sanfter und nicht so druckvoll ans Werk. Den Abschluss bildet dann das fünfminütige, von Flächen bestimmte „Coda (A Flock Of Starlings)“.

Michael Brückner ist bekannt für seine vielseitige Elektronikmusik. Es ist unglaublich wie abwechslungsreich seine Alben sind und so hat er auch auf dem neuen Werk „The Egg In The Cosmic Crack“ wieder abwechslungsreiche, melodisch/harmonische und rhythmische Musik eingespielt. Ein Album in das man sich fallen lassen kann. Es bietet herrliche Atmosphären, schöne Melodielinien und tolle Rhythmen. Ein klasse Album.

Stephan Schelle, Oktober 2026

 
   

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