Cosmic Ground - Melt
 

Cosmic Ground - Melt
Eigenvertrieb (2023)
(
6 Stücke, 66:06 Minuten Spielzeit)

Cosmic Ground ist das elektronische Musikprojekt von Dirk Jan Müller (Electric Orange). Nach dem letztjährigen Album „Entropy“ legt er am 12.04.2024 mit dem neuesten Output „Melt“ nach. Die Stücke wurden von Müller im Alleingang in der Zeit von Januar 2023 bis Januar 2024 eingespielt. Das Album ist sowohl als Download über Bandcamp wie auch als CD erhältlich. Mir lag zur Besprechung die CD-Version vor, die im vierseitigen Digipak mit achtseitigem Booklet erschienen ist.

 

 


Sechs Tracks enthält das Album, deren Laufzeiten 4:06 bis 18:31 Minuten betragen. Gestartet wird das Album mit dem 13:29minütigen Track „Planet Dirt“. Eine recht ungewöhnliche, stoische Rhythmik, die einen hypnotischen Sog aufbaut, leitet in diesen Track ein, der sich langsam entwickelt. Nach etwa zwei Minuten kommen Harmonien auf, die sich in diesen Rhythmus einfügen. Nach weiteren Momenten pulsiert ein Sequenzer. Das hat was von „Berliner Schule“.

„Eternal Autumn“ ist dann mit 4:06 Minuten Spielzeit der kürzeste Track des Albums. Sphärische Sounds, bei denen ich mich gedanklich sofort im All befinde, sorgen für eine spacige Stimmung. Flächige, pulsierende Sounds werden mit im Hintergrund liegenden Stimmsamples verbunden. In diesem Track baut Müller Stimmungsbilder auf, die ein wenig mystisch und unheimlich anmuten.

Mit dem 5:13minütigen „Revelation“ folgt dann der nächste kürzere Track. Dieser beginnt mit einem einzigen, etwas düsteren Ton, auf den sich nach etwas mehr als einer halben Minute dann rhythmische Motive legen, die im Verlauf immer deutlicher in den Vordergrund treten. Das verbreitet ebenfalls eine sehr düstere Stimmung.

Dann kommt der nächste Longtrack. Das 18:31minütige „Black Rain“ beginnt zunächst mit  spacig lang gezogenen Klängen. Dirk Jan Müller fügt hier sich nur langsam verändernde Klänge aneinander. Ab der Hälfte kommt dann ein leichter Rhythmus auf, der aber auch schnell wieder in den Weiten verschwindet. Immer wenn man denkt, dass jetzt hellere Klänge und eventuell Harmonien auftauchen, lässt Müller sie auch gleich wieder in der Versenkung verschwinden und fügt andere Spunds hinzu. Das wirkt etwas düster und mysteriös.

Etwas heller zeigt sich dann das 7:57minütige „Melted Past“. Das Stück beginnt zunächst zwar wieder mit düsteren Sounds, nach gut 40 Sekunden kommt dann aber ein Sequenzerrhythmus auf, der immer mehr an Dynamik zunimmt und so das Stück in hellere Sphären hebt. Dieser Rhythmus wird nur von sich langsam variierenden, flächigen Harmonien unterfüttert.

Den Abschluss des Albums bildet dann das 16:51minütige „Scab“. Zu Beginn ist eine elektronisch erzeugte Geräuschkulisse zu hören, bei der Müller mehrere Sounds aufeinander geschichtet hat. Nach etwa vier Minuten bestimmt dann ein dumpfer, leicht pulsierender Klang das Bild, der sich aber nach einer Minute in mystische Soundkollagen wandelt. Das klingt dann einige Male nach Windgeräuschen. Dieser Track enthält auch kaum Harmonien, sondern erzeugt vorwiegend Stimmungsbilder.

Mit „Melt“ hat Dirk Jan Müller aka Cosmic Ground ein recht düsteres Werk geschaffen, das mehr auf Stimmungserzeugung, denn auf Harmonien setzt. Eingängigster Track und Highlight ist für mich das eröffnende „Planet Dirt“. Ist das der Soundtrack für die Entwicklung unseres Planeten, den die Menschheit herabzuwirtschaften droht und sich damit selbst an den Rand der Existenz bringt?

Stephan Schelle, Juni 2024

 
   

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