Kellerkind Berlin – Das graublaue Album
 

Kellerkind Berlin – Das graublaue Album
Eigenvertrieb (2024)

(5 Stücke, 39:19 Minuten Spielzeit)

Der Elektronikmusiker Christian Gorsky, der unter seinem Projektnamen Kellerkind Berlin seine Musik veröffentlicht, hat rechtzeitig zu seinem Auftritt beim E-Day-Festival im niederländischen Eindhoven sein neuestes Album veröffentlicht. Es nennt sich „Das graublaue Album“ und ist als Download bei Bandcamp sowie als Vinylausgabe erschienen. Bei vier der fünf Stücke hat Christian José Roman Duque rhythmisch unterstützt.

 

 


Wie auf seiner Bandcampseite zu lesen ist, entstand die Musik des Albums in einer für ihn sehr bedrückenden Zeit. Todesfälle, schwere Krankheiten und nach einem kurzen Aufwärts, gleich wieder Abwärts. Aber so ist es eben und die Musik hilft mir da durch.

Das Album beginnt mit dem 8:20minütigen „Andante In Dark“. Ein Bassmotiv eröffnet das Stück. Nach wenigen Momenten setzt dann das Keyboard ein. Dieser Track wirkt entgegen Christians bisherigen Stücken recht songorientiert und mit einer sanften Rocknote. Sobald dann nach einer Minute die Pianomelodie einsetzt geht es stilistisch in Richtung Detlef Keller. José Roman Duque unterstützt mit seinen akzentuierten Rhythmen diese verträumte Atmosphäre. Ein sehr schöner, sanfter Track bei dem man gut träumen und entspannen kann.

Dumpfe Schläge eröffnen dann das 9:44minütige „Steps Without You“. Nach gut einer halben Minuten setzten dann die Synthies ein. Zunächst noch recht sparsam, dann schälen sich aber nach gut einer Minute Harmonien heraus, die sich mit dem Rhythmus verbinden und sich nach einer weiteren Minute zu einem hypnotischen Part entwickeln. Das klingt einfach nur gut. Im Mittelteil wird es dann gar ein wenig proggig. Vom Sound her liegt Christian hier näher an Kraftwerk als an der „Berliner Schule“.

7:20 Minuten dauert dann die „Fahrt im Dunkeln“. Das Stück beginnt rechst sphärisch mit Flächen, die aus dem Off kommen. Darauf setzt Christian dann einige Harmonien und José Roman Duque fügt einige Beckenschläge hinzu. Nach einigen Momenten setzt ein rhythmisches Sequenzermuster ein und die Harmonien und Melodielinien, verbunden mit den sehr schönen Schlagzeugrhythmen, führen nun in Soundtrack artige Sphären.

Herrliche Melodielinien durchziehen das 6:31minütige „Solving“. José Roman Duque setzt hier seine Schlagzeugrhythmen sehr dezent ein, was perfekt zu dem Track passt.

Das 7:21minütige „Reise durch Grau“ ist das einzige Stück, das Christian ohne Unterstützung von José Roman Duque im Alleingang eingespielt hat. Wer jetzt aber glaubt, dass dieser Track ohne Rhythmus auskommt, der irrt. Christian hat seiner Musik hier einen pumpenden, treibenden Beat untergelegt. Das klingt sehr druckvoll und ist der rhythmischste Track des Albums. Nach zweieinhalb Minuten wird es dann etwas ruhiger, dafür kommen aber Harmonien und Klänge auf, die wieder proggig wirken. Christian wechselt in diesem Stück Struktur, Rhythmus und Harmonien, was den Track sehr abwechslungsreich macht.

Das neue Album von Christian Gorsky aka Kellerkind Berlin mit dem Titel „Das graublaue Album“ ist nicht wirklich im Umfeld der „Berliner Schule“ verortet. Vielmehr hat Christian hier elektronische Musik eingespielt, die vor allem durch die Rhythmusarbeit von José Roman Duque stark gewonnen hat. Einiges ist Songorientierter, anderes wirkt wie Soundtrackmusik. Immer bleibt die Musik aber sehr melodisch. Ein sehr schönes Werk.

Stephan Schelle, Juni 2024

 
   

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