Blanko
 

Stan Dart - Collaboration
Bandcamp (2024)

(17 Stücke, 94:14 Minuten Spielzeit)

Am 20.05.2024 erschien das neue Album von Richard Hasiba, den die Freunde elektronischer Musik besser unter dem Namen Stan Dart kennen. Das Album trägt den Titel „Collaboration“ und ist über Bandcamp erhältlich. Der Name des Albums ist Programm, denn Richard Hasiba hat das Album nicht allein eingespielt, vielmehr hat er zahlreiche Künstler angesprochen, die mit ihm die Stücke erstellt haben.

 

 


Richard erklärt: „Künstler aus unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen folgten meiner Einladung und wir konnten gemeinsam Musik entstehen lassen, wie sie der Einzelne sonst wohl nicht geschaffen hätte. Ob es nun Remixe für die Grazer Gruppe Auris sind, die schon fast als eingeständige Songs präsentiert werden könnten oder Neufassungen bestehender Versionen sind (mein Original Remix von „God´s Blues“ von MikeWhitePresents ist vor 9 Jahren entstanden) oder ob sich Sängerinnen meiner neuen Songs angenommen haben, um diese mit ihrer Stimme zu veredeln: allen ist gemeinsam, dass sie aus der Leidenschaft zur Musik entstanden sind.“

Und weiter: „Das Album ist wesentlich energetischer und tanzbarer ausgefallen, als alles, was ich bis jetzt gemacht habe, dennoch bin ich meinem bekannten „Balladenstyle“ treu geblieben. Das Album mag für einige ein wenig ungewohnt sein, aber als Künstler muss man seinen Leidenschaften nachgeben und versuchen diese in sein Werk einzubinden.“

Und zur Zusammenarbeit mit den Musikern/innen sagt er: „Mit Colin Rayment, Mark Dorricott und Stephen Sherrard verbindet mich eine langjährige musikalische Freund-/Partnerschaft und ich bin stolz das diese Künstler auf diesem Album vertreten sind. Mit Marlo habe ich eine Grazer Sängerin entdecket, von der ich hoffe, dass sie noch oft mit mir gemeinsam an Songs arbeiten wird. Petra Bonmassar aus Voralberg hat einmal mehr bewiesen, welch´ unglaubliches Talent und Einfühlungsvermögen sie als Sängerin besitzt. Ihr werdet auf diesem Album auch einige - für meine Verhältnisse - sehr kurze Songs vorfinden („The Re-Introduciton Of ...“); diese entstanden um die Track Abfolge (die ich für äußerst wichtig ansehe) und das damit empfundene Hörerlebnis über das gesamte Album hinweg zu garantieren und einem allzu starken Stilbruch zwischen den Songs entgegenzuwirken. Daneben habe ich auch bei einigen Tracks nicht nur die Musik, sondern auch den dazugehörigen Text geschrieben, deren Inspiration ich durch Erlebnisse in meiner beruflichen als auch privaten Umgebung gewonnen habe („Egomaniac“, The Thing Called Love“ und „Only Time Will Tell“).“

„Collaboration“ ist ein sehr rhythmisches Album geworden, das ein ums andere Mal zum Tanzen einlädt. Es beginnt mit dem 2:08minütigen „The Re-Introduction Of Laughthing“, das wie ein Intro zum Album wirkt und sich schon recht rhythmisch zeigt.

„Four On The Floor (American Natives Mix)“ ist eine Dancenummer mit leicht indianischem Flair. Das ist eine Kollaboration mit Auris / Sigrid Tertinegg, die hier singt. Stilistisch weist der Track auch ein wenig in Richtung Yello.

Mit dem Briten Colin Rayment, der bei den letzten beiden Wahlen zum Schallwelle-Preis für einen Preis nominiert war, hat Richard drei Stücke sowie einen Bonustrack zusammen eingespielt. Der Erste ist der 5:15minütige Track „Evolve“ (er liegt auch als Bonus im „Colin’s Mix“ vor). Hier treffen sich die beiden Stile, die poppige Elemente mit dem Stil der „Berliner Schule“ verbinden. Ein sehr schöner, melodisch/rhythmischer Track. Das folgende, sechsminütige „Less Gravity 2023“ haben ebenfalls Hasiba und Rayment eingespielt. Hier sorgen zunächst gesprochene Texte, die wie aus einem Kontrollraum klingen, für ein leicht spaciges Flair. Rhythmische Elemente sowie ein klasse Groove machen daraus eine loungig/trancige Nummer. Einiges am Sounddesign erinnert darüber hinaus ein wenig an Kraftwerk.

Der dritte Track von Hasiba/Rayment kommt dann direkt danach. Er heißt „Submarine Hunter“ und ist 7:31 Minuten lang. Ein pulsierender Beat ist die Grundlage, auf den sich der Track entwickelt. Echolotartige Klänge sorgen für das U-Boot-Flair. Nach einigen Momenten kommt dann ein pumpender Beat auf und das Stück wandelt sich in einen leicht technohaften Track. Die Beiden schichten im Verlauf weitere Sounds hinzu und spendieren dem Track noch eine sehr eingängige Melodie.

Mit dem „God’s Blues (The Alternative Mistake Again)“ kommt der nächste gesungene Track des Albums. Das 5:29minütige Stück wird von Michaela Betts gesungen. Das ist ein sehr ruhiges Stück mit leichten Bluesanklängen. Michaela Betts ausdrucksstarke Performance klingt dabei wie eine sanftere Version von Kate Bush.

Sigrid Tertinegg singt dann den nächsten Song „Do You Love Me (City Mix)“. Sound- und melodiemäßig wandelt Richard Hasiba dabei im Umfeld von Schiller. Wie von Deylen spielt Hasiba hier auch mit unterschiedlicher Lautstärke und Dynamik. Ein sehr intimer und unter die Haut gehender Song.

Zusammen mit Marlo hat Richard Hasiba das 6:52minütige Stück „The Thing Called Love“ erstellt. Auch hier wandelt Richard musikalisch auf den Spuren von Schiller. Marlos sanfte Stimme und der treibende Beat sowie die Hackbrett artigen Klänge machen diesen Track aus. Technoartiger und mit einem pumpenden Beat versehen ist dann der zweite Track mit Marlo, deren zeitweiser Sprechgesang hier mehr an Laurie Anderson erinnert. Im Refrain kommt dann wieder Schiller-Flair auf.

Mit Mark Dorricott hat Richard Hasiba schon mehrfach zusammengearbeitet. Mit ihm ist das Stück „Come Dance With Me (Console Mix)“ entstanden. Der Track klingt nach elektronischem Pop der 80’er Jahre und wurde von Mark eingesungen. Einen leichten Retrotouch erhält das Stück auch durch den eingewobenen Orgelsound. Symphonisch, wird es dann durch Streichersounds in „The Unknown Future“. Darüber hinaus kommen noch leicht sakral gesungene Passagen, in dem mit Stephen Sherrard entstandenen Track. Der Mittelteil enthält eine Passage, die wie dir Untermalung zu Kriegshandlungen klingt und dann von melancholischen Streicherklängen weitergeführt wird.

Eine weitere Sängerin, mit der Richard Hasiba schon zusammengearbeitet hat, ist Petra Bonmassar. Sie veredelt mit ihrer variablen Gesangsstimme den Song „Dreaming Of The Universe“. Nach dem kurzen „The Re-Introduction Of Hope“ kommt dann mit „Only Time Will Tell“ der letzte und längste Track des offiziellen Albums. Dieser ist wieder mit Auris/ Sigrid Tertinegg entstanden. Ein atmosphärischer, stoisch dahin schreitender Track.

Als Bonus gibt es dann noch zwei weitere Stücke. „Evolve (Colin’s Mix)“ wurde von Colin Rayment gemixt und ist gut zweieinhalb Minuten länger. Diese Version ist wesentlich spaciger angelegt und hat nicht den pumpenden Beat der Albumversion. Der zweite Bonustrack ist „The Thing Called Love (Instrumental Demo)“, der nur unwesentlich länger ist. Wie schon im Titel erwähnt ist es die Instrumentalversion des Songs, der zeigt, dass das Stück auch ohne Gesang funktioniert.

Mit „Collaboration“ ist Richard Hasiba aka Stan Dart wieder ein sehr schönes Album gelungen. Die Stücke sind vor allem recht rhythmisch und tanzbar angelegt und machen einfach nur Spaß, sowohl beim intensiven wie auch beim nebenbei Hören.

Stephan Schelle, Juni 2024

 
   

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