Alex Henry Foster - The Fragile Beauty (Of New Morning Hopes)
Hopeful Tragedy Records (2026)
(8 Stück, 59:22  Minuten Spielzeit)

Am 23.10.2026 erscheint das neue Studioalbum des kanadischen Experimental-Rock-Künstlers, Autors, Sozialarbeiters und Menschenrechtsaktivisten Alex Henry Foster. Es trägt den Titel „The Fragile Beauty (Of New Morning Hopes)“. Schon seit einigen Jahren – spätestens seit seinem Auftritt beim 2024’er Night Of The Prog - hat er sich mit seiner Musik in Europa einen festen Namen gemacht und erhöht seine Fangemeinde mit jedem neuen Album und jedem Auftritt. Zusammen mit seiner Band The Long Shadows hat er das neue Werk eingespielt.


Während die Texte allein aus der Feder von Alex Henry Foster stammen, hat er die Musik zusammen mit seinem Gitarristen und Schlagzeuger Ben Lemein komponiert. Fosters derzeitige Wahlheimat befindet sich im marokkanischen Tanger, wo auch die Songs entstanden und aufgenommen wurden. Das Album erscheint in den Formaten LP, CD und digital.

„The Fragile Beauty (Of New Morning Hopes)“, das erste einer fünfteiligen Albumreihe, erzählt die Geschichte von Fosters vollständiger Neuorientierung nach einer notfallmäßigen Herzoperation, bei der sein Körper mehr als einmal den Geist aufgab.

Wie schon auf seinen vorangegangenen Alben besteht der Hauptteil seiner Musik aus gitarrenbetonten experimentellen Rockklängen, die er mit afrikanischen und arabischen Elementen vermischt. Darauf setzt er dann seinen eindringlichen und unter die Haut gehenden Gesang.

Das Album startet mit dem atmosphärischen „Sirens Call“ und führt sofort in die intime Stimmung von Fosters Musik ein. Da umschmeicheln einen zunächst die herrlichen Klänge unterstrichen von Schlagwerk und rhythmischen Licks, dazu trompetenartige Klänge. Alex singt hier zusammen mit Miss Isabel, während elektronische Sounds und Harmonie-/Melodiebögen die Stimmung unterstützen. Ein fesselnder Opener, der Fosters Stil perfekt fortführt.

Etwas düstere Synthesizerklänge eröffnen dann das Stück „Good Omen“. Darauf setz Alex dann einen leicht hallenden Gesang – hier auch wieder zusammen mit Miss Isabel – was eine hypnotische und melancholische Wirkung erzeugt. Die Streichersounds unterstreichen diese intime Stimmung. Dann kommt ein gesprochener Text auf (in einer arabischen Sprache?), der dem Stück eine dramatische Wendung gibt, während im Hintergrund atmosphärische Klänge mit einem druckvollen Schlagwerk kombiniert werden. Danach setzen Streichersounds, Glockenklänge und ein sanft vorangetriebener Rhythmus eine weitere dramatisch anmutende Sequenz.

„A Spoken Whisper“ zeigt dann einen dumpfen, fast dubartigen Rhythmus, zu dem zunächst weibliche Gesangsstimmen und perlende Keyboardklänge zu hören sind. Das mutiert aber auch nach wenigen Momenten in einen leicht dramatisch/melancholischen Part, bei dem Alex gesprochener Text von elektronischen Klängen untermalt wird. Von dieser Stimmung wird man von Beginn an gefesselt. Im Verlauf sorgt eine sanfte Pianomelodie für weitere Akzente, die dann durch flirrende Gitarrenklänge konterkariert wird. Ein grandioses Stück, bei dem es auch mal experimentell zugeht.

Mit Streicherklängen und Sounds, die an ein Didgeridoo erinnern, legt Foster danach im Stück „New Morning Hope“ los. Durch eingestreute Trommelschläge wird der Spannungsbogen weiter hochgefahren. So mäandert das Stück zunächst recht gemächlich im Stile eines mystischen Soundtracks dahin. Im Mittelteil kommen dann afrikanisch klingende Percussion hinzu. Das wirkt recht düster und bedrückend. Nach ca. sechs Minuten kommt dann Gesang auf und Alex bringt schon mal Parts aus dem folgenden Stück „Springtime“ mit ein.

Darauf folgt dann das Stück „Springtime“ das recht rhythmisch gestaltet ist. Alex dazu: „Springtime“ aus dem Album schildert die Verwirrung, sich in seinem „neuen“ Körper wiederzufinden, und „Calling Out!“ erinnert an den Prozess der Genesung und des Wiedererwachens, indem er sich dem Ruf sowohl aus seinem Innersten als auch von seinen geliebten Menschen um ihn herum hingab.

„Calling Out!“ startet mit einem markanten Bassmotiv sowie leicht schrägen Keyboard- bzw. Gitarrenklängen. Dann setzt ein afrikanischer Sound ein, der mit treibendem Rock vermischt wird und in einem treibenden, sich im Ohr festsetzenden Refrain mündet. Hier bewegt sich Alex im Alternative Rock. Zum Ende hin kommt eine Gesangspassage auf, die bei den Konzerten aus hunderten Kehlen der Besucher zurückgegeben wird, da bin ich mir sicher.

„Blue As The Rain“ ist ein wunderschöner, atmosphärischer, sanfter Song mit treibendem Refrain, der unter die Haut geht. „Blue As The Rain“ wurde auf einer Terrasse in Marokko geschrieben und konzentriert sich vor allem auf die Bewältigung von Trauer: Der Song beginnt düster und turbulent und spiegelt Fosters Melancholie und Hoffnungslosigkeit wider; er begleitet seine Reise sowohl durch die Welt als auch in sein Innerstes, bis er in Tanger alles ablegt, was er mit sich herumträgt. Der Wendepunkt des Songs ist eine kurze Passage in Fosters Muttersprache Französisch, in der er auf sehr persönliche Weise den Verlust und die Sehnsucht nach seinem Vater zum Ausdruck bringt. Dieser Moment markiert den Punkt der Akzeptanz auf dem Album, an dem Foster den Mut findet, Gefühle, die er tief in sich vergraben hatte, in ein helleres Licht zu rücken.

Das Album endet dann mit dem Stück „Of Dreams And Ghosts“. Mit fast 13 Minuten Spielzeit ist es der längste Track des Albums. Hier bietet Alex Henry Foster noch einmal alles auf, was seinen treibenden, hypnotischen Stil ausmacht. Atmosphärische Klänge treffen auf teils herausgeschriene Gesangspassagen. Das ist einfach genial und genau der Stoff, den die Fans seiner Musik so lieben.

Was für ein grandioses Album hat der Kanadier Alex Henry Foster da mit „The Fragile Beauty (Of New Morning Hopes)“ wieder eingespielt. Vom ersten Moment an fesselt das neue Werk und zieht die Hörer in einen hypnotischen Strudel. Im Herbst 2026 geht Foster damit auf Tour und man darf sich auf die neuen Stücke in ihren Liveversionen schon freuen.

Stephan Schelle, Oktober 2026

   

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