hubris – White Shores
Eigenvertrieb / Dutch Music Works (2026)
(5 Stücke, 39:27 Minuten Spielzeit)

hubris ist eine Schweizer Post-Rock-Band, die am 10.09.2026 ihr mittlerweile fünftes Studioalbum unter dem Titel „White Shores“ veröffentlichte. Das 2014 gegründete Instrumentalquartett besteht aus Jonathan Hohl, Lucien Lecierc, Léo Juston und Matthieu Grillet. In ihrer Musik verbindet das Quartett experimentelle Post-Rock-Elemente, Electronica-Atmosphäre und einige Elemente der Metal-Szene.


Nach vier Alben, die in der griechischen Mythologie verwurzelt waren, wendet sich der Komponist und Gründer Jonathan Hohl nun seiner anderen bevorzugten Inspirationsquelle zu: „Der Herr der Ringe“, genauer gesagt J.R.R. Tolkiens Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und Unsterblichkeit.

In Tolkiens Legendarium bezeichnen Elfen den Tod trotz ihrer Unsterblichkeit (eine Eigenschaft, um die sie die Menschen oft beneiden) als das „Geschenk der Menschen“. Dieses Paradoxon bietet eine eindrucksvolle Alternative zur westlichen Wahrnehmung des Todes als etwas rein Tragisches. Ein „Geschenk“ impliziert etwas Begehrenswertes, ja sogar Glückliches.

Nach dem Tod seines Großvaters wurde diese Perspektive zur emotionalen und konzeptionellen Grundlage von „White Shores“. Das Album entfaltet sich in fünf Sätzen, von denen jeder ein Wort eines einzigen Satzes darstellt: Tod. Ist. Nur. Ein anderer. Weg.

Das Album startet mit dem Stück „Death“. Hier erklingen zunächst atmosphärische Gitarrenharmonien, die sich melodisch durch den Raum bewegen. Nach wenigen Momenten setzen Bass, Keyboards und Schlagzeug ein und es entwickelt sich eine sanfte Form des Postrocks. Das geht sehr gut ins Ohr und vermittelt eine angenehme Stimmung, auch wenn das Thema für viele von uns nicht ganz so schön ist. Im Verlauf kommen etwas rauere Gitarrenklänge auf und auch die Dynamik steigert sich, was aber den Harmoniefluss nicht unterbricht. Ein toller atmosphärischer Track, das Appetit auf mehr macht.

Weiter geht es mit dem Stück „Is“, das ebenfalls recht sanft und atmosphärisch beginnt. Nach einigen Momenten wird es dann rhythmischer und sehr melodisch.

„Just“ geht danach rhythmischer los, bleibt aber in atmosphärischen Gefilden. Hauptinstrument ist – wie auch in den anderen Stücken – die E-Gitarre, die herrlich melodische Parts zum Besten gibt. Das ist verträumter Postrock at it’s best.

Zarte Gitarrenharmonien mit verhalltem Echo eröffnen dann „Another“. Das wirkt intim und zart zugleich. Sobald nach etwa einer Minute Keyboards (bzw. atmosphärische Gitarrenlicks) und Rhythmen einsetzen wird es harmonisch. Es dauert aber nur wenige Momente bis sich ein groovender Rhythmus hinzugesellt, der das Stück nun nach vorn treibt.

Mit dem Stück „Path“ endet dann das Album. Das beginnt zunächst mit rhythmischen Gitarrenlicks, die um Keyboardsounds und akzentuierte Schlagzeugrhythmen ergänzt werden. Langsam entwickelt sich so ein melodischer Postrock-Track mit herrlichen Gitarrenklängen, die dann in einen druckvollen Abschlusspart münden.

„White Shores“ der Schweizer Post Rock-Band hubris ist ein sehr atmosphärisches Werk geworden, das eine positive Stimmung vermittelt, auch wenn das Thema Tod nicht das Fröhlichste ist, was man sich vorstellen kann.

Stephan Schelle, Oktober 2026

   

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