Violette Sounds - Infinity
Luckybob Records / SPV (2024)

(9 Stücke, 59:31 Minuten Spielzeit)

Nach dem 2012’er „Feelin’ Inside“ und dem 2018’er Album „Wild And Blue“ erschien am 26.04.2024 das dritte Album der Band Violette Sounds unter dem Titel „Infinity“. Dabei handelt es sich um ein deutsches Bandprojekt, das von dem deutsch/belgischen Schlagzeuger Karl Henneberg gegründet wurde. Die Alben wurden in unterschiedlichen Besetzungen eingespielt, wobei Henneberg die Konstante blieb. Vom ersten Album ist wieder Uwe Böttcher (Bass, Violine) mit dabei. Darüber hinaus gehören anno 2024 Henri Thönnissen (Gitarren), Moritz Schippers (Keyboards, Hammondorgel) und Loten Namling (Gesang) zur Band.


Nachdem die Prog/Jazz/Psychedelic/Rock-Formation, die über elf Jahre vom Solo-Ding Hennebergs mit Gastmusikern zu einer echten Band gewachsen ist, auf ihren ersten beiden Alben vorwiegend instrumental unterwegs waren, haben sie sich auf die Suche nach einem Sänger mit spirituellem Hintergrund gemacht. Mit Loten Namling haben sie einen charismatischen Sänger gefunden, der die musikalische Entwicklung der Band auf dem neuen Album wesentlich beeinflusst hat.

Der Exil-Tibeter, Aktionskünstler und Freiheitskämpfer Loten Namling ist eigentlich in der Tibet- und Weltmusik-Szene zuhause, doch auch Blues, Rock und Metal gehören zu den musiklaichen Vorlieben des „Tibetan Warrior“, der u. a. auch schon mit Sepultura auf der Bühne stand. Bei Violette Sounds gelingt es Namling durch das Einbringen von tibetanischen Gesängen und Songtexten, die psychedelisch-progressiven Kompositionen von Karl Henneberg zu emotionalen und spirituellen Klangbildern zu manifestieren und trotzdem zu rocken.

Das Album erscheint in einem Digipak mit 20seitigem Booklet. Auf dem Album sind neun Stücke angegeben, der Player weist allerdings 13 Stücke auf. Die Länge der Stücke variieren von 1:34 bis 7:34 Minuten Spielzeit.

Das Album beginnt mit dem 6:15minütigen Opener „Panchen Lama“, dessen Text ein tibetanisches Gedicht zu Ehren von Gendün Chökyi Nyima, dem 1995 im Alter von 6 Jahren entführten, legitimen Panchen Lama ist. Der Song geht recht rockig los, während Loten zunächst lautmalerisch sehr eindrucksvoll seine Stimme in verschiedenen Tonlagen beisteuert. Musikalisch wirkt der Song wie eine Rocknummer aus den 70’er Jahren. Und Loten singt wie ein Rocksänger. Man hört ihm hier seine tibetanische Herkunft nicht an. Der Song beinhaltet darüber hinaus sehr schöne Orgelsoli, die das 70’er-Jahre-Flair noch verstärken. Hier kommen einem Bands wie Deep Purple oder Focus in den Sinn.

Balladesk geht es dann im 4:34minütigen „Who Are You?“, das im ersten Drittel durch Piano und Violine bestimmt wird, weiter. Sobald dann Lotens Gesang einsetzt wirkt das Ganze wieder sehr Retro. In der Mitte kommt dann ein sehr schönes Gitarrensolo auf.

Mit einem gesprochenen Text beginnt dann das 3:49minütige Titelstück. Nach einer Minute startet die Band dann mit der Musik und es entwickelt sich wieder ein Rockfeeling der Marke Focus & Co.

Das 4:36minütige „Bodhisattva Heroes“ ist ein Song für die Freiheitskämpfer Tibets. Lang gezogenen Gitarrensounds und eine Keyboardkaskade startet in den Song, bei dem Loten stimmlich in die Nähe von Jim Morrison kommt. Gitarre und Keyboard sorgen darüber hinaus für Akzente.

Donner eröffnet dann das 2:48minütige „Moments“, das sanft dahin zieht. In diesem Song bringt Loten noch mal eine andere Stimmlage ein. Mit einer etwas dumpfen Stimme singt er einen tibetischen Text. Heftige Orgelkaskaden starten dann das 6:27minütige „Milarepa Duo“. Loten bringt in diesen sanften Rocksong dann mit seiner variablen Stimme und den tibetanischen Texten wieder ein besonderes Flair.

Dann wird es in „The Land Behind Your Mind“ recht psychedelisch. Auch eine leichte Jazznote ist hier herauszuhören. Die Flöte sorgt dann für weitere Akzente. Nach „Birthday Song“ und „Infinity Reprise“. finden sich dann noch vier weitere Instrumentalstücke auf der CD, die allerdings nicht genannt sind. Der erste Track wirkt mit seiner Violine wie ein Stück von Kansas. Die weiteren Tracks muten leicht psychedelisch und rockig an, wie in den Endsechzigern bzw. frühen 70’ern.

Mit „Infinity“ haben Violette Sounds einen qualitativen Sprung gemacht. Alle Freunde des 70’er Jahre-Rocks kann ich dieses Album nur wärmstens empfehlen. Darüber hinaus macht der neue Sänger Loten Namling eine sehr gute Figur. Neben einem Rockorgan bringt er auch tibetanisches Flair mit ein.

Stephan Schelle, Mai 2024

   

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